Tagung der Sektion „Soziologische Theorie“ der DGS

 

Titel: „Parasiten“ der modernen Gesellschaft?

 

Organisation: Wolfgang Ludwig Schneider/Michael Schmid

Ort: Universität Osnabrück, Seminarstraße 20, Raum 130 (Senatssitzungssaal)

Beginn: Freitag, 20.06.08, 13.00 Uhr

Ende: Samstag, 21.06.08, 13.00 Uhr

 

Anmeldung bitte möglichst bis zum 10.06.08!

(Anmeldungsmodalitäten siehe s.u.)

 

 

Die soziologische Theorie hatte sich von Anfang an (von Comte bis Coleman – wenn man so will) darum bemüht, die Bedingungen zu identifizieren, unter denen es gelingen kann, eine „zivilisierte“ bzw. geordnete Gesellschaft zu bilden. Getragen war diese Suche von der Hoffnung, dass sich die normative Erwünschtheit eines Gesellschaftszustandes mit dessen Stabilität paaren und - durch Theorie instruiert - intentional herbeiführen lasse.

 

Dieses Junktim von Normativität, Stabilität und intentionaler Herstellbarkeit erscheint heute insoweit verfehlt, als es dazu zwang, „ordnungswidrige“ Phänomene als kontingente „Pathologien“ und „Dysfunktionen“ zu klassifizieren; damit war die Annahme verbunden, dass sich solche Abweichungen von erstrebten Entwicklungspfaden und Ordnungszuständen kaum dauerhaft würden erhalten können. Konträr zu dieser Voraussetzung erwiesen sich jedoch auch solche gesellschaftlichen Zustände als langfristig reproduktionsfähig, die keineswegs als intendiert oder erwünscht gelten konnten. „Störungen“ des gesellschaftlichen Gleichgewichts, paradoxe Effekte rational orientierter Handlungen und anomische Gewaltkonflikte erscheinen heute oft weniger als temporäre Krisenerscheinungen, denn als stabile Ordnungszustände eigenen Typs. Ihre Deutung als Folge aufzuholender Entwicklungsrückstände oder befristeter Regressionen verliert deshalb an Plausibilität. Statt dessen wächst der Verdacht, dass es sich dabei um dauerhafte Begleitphänomene der modernen Gesellschaft handeln könnte, deren Reproduktion durch moderne Sozialstrukturen nicht blockiert, sondern gerade ermöglicht wird. Dort, wo die Institutionen der „modernen“, in unterschiedliche Handlungsfelder, Wertsphären bzw. Funktionssysteme differenzierten und global vernetzen Gesellschaft nur eingeschränkt funktionieren, öffnen sich u.U. evolutionäre „Nischen“, die durch solche Ordnungsformen „parasitär“ besetzt und durch den selektiven Gebrauch von spezifisch modernen Einrichtungen stabilisiert werden können (so etwa durch die Nutzung von globalen Märkten, massenmedialen Kommunikationsmöglichkeiten und von hoch entwickelter Technik, einschließlich der Ausbeutung der besonderen Risikopotentiale großtechnischer Einrichtungen). Unter diesem Gesichtspunkt sollen im Rahmen der Tagung insbesondere korruptive, mafiöse und terroristische Strukturen analysiert und diskutiert werden. Die folgenden Leitfragen dienen dabei als Orientierung für die Debatte:

-    Welches sind die Entstehungs- und Bestandsbedingungen der jeweils untersuchten       „parasitären“ Strukturmuster?

-        Wie verhalten sich diese Muster zu den Strukturen moderner Organisationen und Funktionssysteme bzw. institutioneller Handlungsfelder?

-        Auf welche Koordinationformen (hierarchische Organisation; Netzwerke; (ökonomische bzw. Gewalt)Märkte; …) stützen sie sich?

-        In welcher Weise können sie einander wechselseitig fördern oder behindern?

-        Inwiefern ist die Charakterisierung dieser Strukturen als „Parasiten“ der modernen Gesellschaft gerechtfertigt?

Pro Vortragseinheit sind dabei ca. 30 Min. Vortragszeit und 30 Min. Diskussion geplant.

 

 

ZEITPLAN

 

Freitag, 20.06.2008

 

13.00 Begrüßung

 

13.15 Michael Schmid (München/Neubiberg): Mafia, Korruption, Terror, Warlords: Rationale Systeme der Eigentumssicherung

 

14.15 Peter Graef (Bielefeld): Korruptionsnormen und Sozialkapital: Eine handlungstheoretische Perspektive auf Ursachen und Bedingungen der Handlungserleichterung bei korruptiven Transaktionen

 

15.15 Pause

 

15.30 Elmar Koenen (München): Brauchbare Illegalität – Mechanismen diesseits von Norm und Abweichung

 

16.30 Margit Weihrich (München); Mafiose Schutzdienstleistungen: Entstehungs- und Bestandsbedingungen einer expandierenden Branche

 

17.30 Pause

 

18.00 Andreas Pettenkofer (Hagen): Terrorismus als Parasit? Über Entstehungs- und Stabilisierungsbedingungen 'terroristischer' Bewegungen, dargestellt am Fall der IRA

 

19.00 Ende des ersten Tages

 

20.00 Gemeinsames Abendessen

 

 

Samstag, 21.06.2008

 

9.00 Petra Hiller (Bielefeld): Organisationsparasiten? – Die Beobachtung von Korruption und die Eigenlogik der Organisation

 

10.00 Marco Schmitt (Hamburg/Harburg): Parasiten, Nischen und „Getting Action“. Von den Möglichkeiten der Kombination systemtheoretischer und netzwerktheoretischer Einsichten bei der Analyse parasitärer Strukturen

 

11.00 Pause

 

11.30 Wolfgang Ludwig Schneider (Osnabrück): Parasitäre Sozialsysteme

 

12.30 Schlussdiskussion

 

13.00 Ende der Tagung

 

 

 

 

Organisatorische Hinweise:

 

Melden Sie Ihre Teilnahme bitte möglichst bis zum 10.06.2008 an bei:

wolfgang.ludwig.schneider@uni-osnabrueck.de

Ab 01.06.08 können Sie sich dazu unter der Email-Adresse gmeyer@uni-osnabrueck.de (Tel. 0541/969-4150) auch an mein Sekretariat wenden.

 

Zu Beginn der Tagung ist für Kaffee, Gebäck, Kaltgetränke etc. vor Ort eine Teilnahmegebühr von voraussichtlich 15 Euro zu entrichten.

 

Wir empfehlen eine möglichst rasche Übernachtungsbuchung. Um die Hotelreservierung für Sie zu erleichtern, haben wir für die Nacht vom 20. zum 21.06.08 eine Reihe von Zimmern vorreserviert, die bis spätestens 10.06.08 gebucht werden können und zwar in den beiden folgenden, nahe am Tagungsort gelegenen Hotels:

 

Hotel Meyer

Johannisstraße 58/59

49074 Osnabrück

Telefon: 0541/600310

Fax: 0541/258540

Email: hotelmeyer@osnanet.de

Preis inkl. Frühstück: 54 Euro

 

In diesem ca. 3 Fußminuten vom Tagungsort entfernt liegenden Hotel etwas einfacheren Standards sind insgesamt 6 Einzelzimmer unter dem Kennwort „Soziologentagung/Prof. Schneider“ (bis maximal 10.06.08) vorreserviert. Wenn Sie dort übernachten möchten, können Sie uns dies direkt bei der Anmeldung mitteilen. Sofern Sie sich bei uns per Email für dieses Hotel anmelden, teilen Sie uns bitte auch mit, ob Sie bei Erschöpfung des geringen Zimmerkontingents alternativ ein Zimmer im Hotel Kulmbacher Hof wünschen.

 

Kulmbacher Hof

Schlosswall 65-67

49074 Osnabrück

Telefon: 0541/35700

Fax: 0541/357020

Email: Service@Kulmbacher-Hof.de

Preis inkl. Frühstück: 64 Euro

 

In diesem ca. 6 Fußminuten vom Tagungsort entfernt liegenden Hotel sind insgesamt 20 Einzelzimmer unter dem Kennwort „Soziologentagung/Prof. Schneider“ (bis maximal 10.06.08) vorreserviert, für die Sie sich am besten direkt im Hotel anmelden.